Was ist Minimalismus? Warum das einfache Leben Sinn macht

von Rudolf Walter


Viele schlagen sich mit dem Eindruck herum: Hat sich nicht in meinem Leben zu viel angesammelt? Verzettele ich mich nicht in tausend Einzelheiten. Ist nicht überall zu viel: In meiner Wohnung? In meinen Unterlagen? Meinem Kleiderschrank? Sollte ich nicht die Dateien entrümpeln, den Keller aufräumen, den Terminkalender endlich durchforsten? Wer diesen Eindruck hat, kommt um eine Frage nicht herum: Die entscheidende Frage ist nämlich: Was brauche ich wirklich? Ist das alles sinnvoll und wichtig was ich tue? Was sind nutzlose Verstrickungen und entbehrliche Ziele? Warum nicht wählen, was einem am wichtigsten ist? So wenig wie möglich.


Minimalismus ist das Zauberwort


Einfach leben und Minimalismus werden oft gleichgesetzt: Gemeint ist freiwillige Einfachheit, Verzicht auf Unwesentliches, die bewusste Reduktion als Gegensatz zur konsumorientierten Überflussgesellschaft.


Dahinter steht die Überzeugung: Auch mit einem Minimum an Dingen kann man ein reiches Leben führen: Das meint (im Unterschied etwa zu unfreiwilliger Armut): Wer auf nicht notwendige Konsumangebote verzichtet und bewusster lebt, kann ein freieres, selbstbestimmteres, erfüllteres Leben leben. Gemeint ist nicht unbedingt der „totale Aussteiger“, sondern jeder der achtsamer lebt. Mehr Sein als Haben ist die Devise. Und: Weniger ist mehr! Erst wer wegräumt, was sein Leben zumüllt, bekommt den freien Blick auf Wesentliche, der sieht, dass es „mehr als alles“ gibt.


„Schwerer werden, leichter sein“. Dieser Satz von Paul Celan kann durchaus auch in diesem minimalistischen Sinn verstanden werden. Denn das Leben soll dadurch gewichtiger im Sinne von bedeutungsvoller, essentieller werden. Und das geschieht eben, indem es überflüssigen – nicht nur materiellen - Ballast abwirft und einfacher und leichter wird.


Meist sind freilich materielle Dinge gemeint: Der Durchchschittseuropäer nennt im Schnitt mehr als 10.000 Dinge sein eigen. Minimalisten sind überzeugt: Wir brauchen nicht so viel.


„Es kommt nicht auf eine konkrete Zahl an, sondern auf die Grundhaltung“, sagt etwa der Minimalist Martin Gaedtke.


„Wir konsumieren zu viel und ohne Rücksicht auf unsere Bedürfnisse und auf die Bedürfnisse der Umwelt.“ Das ist die Einsicht des Minimalisten Raphael Fellmer, der 5 Jahre lang auf Geld verzichtete und Lebensmittel rettete, die weggeworden werden sollten.


„Das Ziel ist, besser zu leben. Das setzt die Einsicht voraus, dass man sich selbst (und den Dingen und Ereignissen) Grenzen setzen muss, weil es einen hoffnungslos überfordert, alles haben und alles tun zu wollen.“ Das sagt der amerikanische Minimalist John Rodden, der seine gut bezahlte Professur aufgab, um einfach zu leben, in einem Beitrag zum Buch „spirituell leben“ (Herder Spektrum).


Das Ziel der Minimalisten: wesentlich werden, gelassener werden, zu viel gewordene Dinge loslassen, überflüssige Tätigkeiten und allzu viele belastende Verpflichtungen oder nichtfruchtbare Beziehungen sein lassen, damit Stress abgebaut werden kann und nur noch das übrig bleibt, was einem wirklich wichtig ist und was glücklich macht.


Es geht nicht nur um materielle Dinge. Wenn der twitternde Mönch Martin Werlen provozierend sagt: „Was nicht in 140 Zeichen gesagt werden kann, das kann auch in einer langen Predigt oder einem Buch nicht gesagt werden“, dann ist das die spirituelle oder intellektuelle Spielform eines Minimalismus gegen eine sich in Worten verlierende Religion. Das hat Tradition auch in anderen Kulturen. Im Zen ist der Verzicht auf alle Äußerlichkeiten wichtig: Ein Kissen zum Sitzen genügt, um in die Tiefe zu kommen – und damit in die Fülle zu erfahren. Auch in der biblischen Religion steht Einfachheit am Anfang: Die Einheit von Gottes- und Nächstenliebe hat nicht nur der berühmte jüdische Rabbi Hillel, sondern auch Jesus als das zentrale Gebot gelehrt, das alle anderen Gebote und Regelungsüberschüsse relativiert. Bei Augustinus heißt es: Dilige et quod vis fac. Liebe und tue was du willst. Und David Steindl-Rast formuliert in der Haltung der Dankbarkeit das einfachste und grundlegendste Gebot, das alle Religionen auf einer mystischen und praktischen Ebene verbindet.


Anselm Grün als spiritueller Autor steht in dieser Tradition. Er sieht im Weg nach Innen, in der Suche, das reine Sein zu erfahren, also in der Reduktion des Äußerlichen, einen Weg zum guten und sinnvollen Leben, wie aus dem nachfolgenden Gesprächsauszug hervorgeht:


Rudolf Walter: Leiden Menschen unter dem „Zu viel“?


Anselm Grün: Wir leben in einer Überflussgesellschaft. Die lebenswichtigen Grundbedürfnisse sind in der Regel befriedigt. Aber die gegenwärtige Güteranhäufung kennt keine Grenzen und keine Gerechtigkeit mehr. Menschen werden heute von allen Seiten vor allem in ihrer Eigenschaft als Konsumenten angesprochen. Und es gibt einfach zu viel, an Waren, an Kaufoptionen, an Entscheidungsnotwendigkeit. Das überfordert. Und es führt dazu, dass ich zu viel kaufe und dann wegwerfe, dass ich zu viel in der Wohnung anhäufe. Solche Fülle, die das eigene Leben überfüllt, tut dann auch der Seele nicht gut. Auch daher die Sehnsucht nach mehr Einfachheit.


Auch im Verzicht kann Fülle erlebt werden. Ist das mit dem Spruch gemeint: „Weniger ist mehr“?


Schon psychologisch gesehen, stimmt das: Wenn ich weniger auf dem Tisch habe, genieße ich es mehr als wenn ich zu viel von allem habe und unter dem Druck stehe, alles probieren zu müssen. Irgendwann ist das Maß einfach voll, es tut dann nicht mehr gut, noch mehr zu essen und zu trinken oder zu haben. Es kippt, schlägt um.


Hat Einfachheit auch einen Preis?


Sicher, wer einfach lebt, muss auch auf einiges verzichten. Ich kann nicht alles haben. Aber der Gewinn ist Freiheit. Die Fähigkeit, im Augenblick zu sein. Die Fähigkeit, im Einklang mit mir zu sein. Und das ist ja nichts anderes als Glück.


(Auszug aus einem Gespräch, das Rudolf Walter mit Anselm Grün für das Themenheft 3/2016 der Zeitschrift „einfach leben“ führte)


Was heißt: einfach leben?

(Aus: Rudolf Walter, Editorial zu: Themenheft einfach leben: Wie einfach ist das Leben, März 2016)


Ist „einfach leben“ nur ein modischer Trend? So wie Volksmusiksendungen und Landlustprodukte oder Kochsendungen im Fernsehen boomen, obwohl in Wirklichkeit fastfood, zersiedelte Dörfer und Diskokultur die Wirklichkeit bestimmen? Ist die Rede vom „einfach leben“ nur ein kitschiges Abziehbild von etwas, was es längst nicht mehr gibt?


Immerhin: Allensbach hat vor einigen Jahren eine Umfrage gemacht, nach der die Mehrheit der Befragten sich wünscht, das Leben sollte etwas einfacher sein oder werden.


Unsere Welt ist heute schwieriger, komplizierter, schneller, verdichteter, unübersichtlicher. Wir sind reicher geworden. Wachstum, Leistung, Konsum heißen die Schlagworte. Aber der Überfluss wirft auch Schatten. Ständige Steigerungsraten, permanente Anforderung, Beschleunigung aller Abläufe – das hat seinen Preis. Burnout ist die Krankheit unserer Tage.


Das Unbehagen wächst - und das Gefühl, dass da etwas „falsch läuft“,in unserem eigenen Leben und der Welt insgesamt. Das zeigt sich in der Klimafrage und angesichts des Flüchtlingsdramas. Es wächst das Gefühl, dass „einfacher leben“ ein Schlüssel für Veränderung in die richtige Richtung sein könnte.


„Einfach leben“ ist ja nicht Armut. Armut ist Dürre, Verhinderung. Leben ist Differenzierung, Entfaltung, Blühen. „Einfach leben“ meint etwas Positives: Lebensqualität, Lebenskunst, Lebenslust.


„Einfach leben“ betrifft Einzelne, aber nicht nur. Es ist nicht nur etwas für Aussteiger, die aus der Gesellschaft flüchten und nach einer Karriere in der Investmentbank (und mit einer hohen Abfindung) auf einer Alp Kühe hüten und selber Käse machen. Es meint eine neue Sicht auf das gelebte Leben, einen Lebensstil der Bewusstheit. Aber nicht als allgemeingültige Generalformel. Von ganz unterschiedlichen Perspektiven, Erfahrungen und Möglichkeiten muss die Rede sein.


„Einfach“ leben, das kann ja zweifach betont werden:
Einfach leben.
Und: Einfach leben.


Henri David Thoreau (1817-1892), der amerikanische Vordenker und Prophet des einfachen Lebens (Autor von „Walden oder das Leben in den Wäldern“), hat es einmal so ausgedrückt „Nah am Knochen schmeckt das Leben am süßesten.“


Einfach leben meint: Was ist wesentlich? Was stellt mich wirklich zufrieden? Und worauf kann ich verzichten? Leben klärt sich, wenn nicht der Zweck, die Nützlichkeit im Zentrum steht, sondern der Sinn. „Nicht was wir anhaben, sondern was wir tun, vielmehr was wir sind - darauf kommt es an!“ (Thoreau)


Und einfach leben meint: Selber leben. Sich nicht zum Sklaven anderer Zwecke machen und nicht zur Arbeitsmaschine werden. Sein ureigenes, gesundes Maß finden. Genießen. Sich Zeit lassen und Luft zum Atmen. Merken, wie viel auch ohne unser Zutun passiert. Freude suchen. Selbstvergessen, aber auch achtsam auf sich selber sein. Naturnah leben. Wieder Thoreau: „Es ist wahr, ich habe der Sonne nie sonderlich beim Aufgehen geholfen, doch war allein schon meine Anwesenheit bei diesem Ereignis von allerhöchster Wichtigkeit.“


Einfachheit ist übrigens nicht Askese bei Brot und Wasser. Der Zürcher Literat Carl Seelig besuchte den Dichter Robert Walser regelmäßig in der appenzellischen Pflegeanstalt Herisau, um mit ihm zu wandern. Einmal war ein Ausflug nach Rapperswil geplant. Da meinte Walser nur: "Weshalb Forellen in Rapperswil essen, wenn wir im Appenzellerland Speck haben können?"


Ja, warum eigentlich? Zufriedenheit vereinfacht das Leben. Einfach leben ist vielleicht nicht immer leicht. Aber es macht manches leichter.


Lebe einfach

(Aus: Anselm Grün, Lass die Sorgen. Sei in Einklang!


Um in Einklang mit mir zu kommen, muss ich die Sorgen loslassen. Denn Sorgen haben es an sich, mich zu quälen. Sie drohen mich zu zerreißen. Sie hindern mich daran, mit mir eins zu werden. So muss ich sie loswerden, sie von mir werfen. „Einklang“ und „einfach“ haben dieselbe Wurzel. Es geht um das Eine und Einfache, um den einen Klang, der einfach tönt, und um die Kunst, die vielen Töne zu einem einzigen werden zu lassen. Wer in sich die vielen Töne zu einem einzigen Klang vereint, der ist einfach geworden, so wie die frühen Kirchenväter Einfachheit verstanden haben. Er ist in ihrem Verständnis letztlich eins geworden mit dem Urklang, eins geworden mit Gott, dem Ursprung allen Seins. Und aus diesem Einssein heraus lebt er einfach, als einer und als einfacher Mensch. Er ist in sich klar und lauter geworden, durchsichtig auf das Eine hin.


Abraham Heschel sagt von dem „Einfach-da-sein“, dass es ein Segen ist. Was ist damit gemeint? Wohl folgendes: Wer einfach da ist, ohne Nebenabsichten, der ist für die Menschen, die ihm begegnen, ein Segen. Er muss, auch und gerade in schwierigen Situationen, für die andern gar nicht viel tun. Er ist einfach da bei dem, der sein Dasein braucht, bei dem Kranken, der eines andern bedarf, der einfach bei ihm aushält, ohne frommen Worte, ohne mit irgendwelchen Sinnsprüchen seine Krankheit zu deuten. Er ist einfach da bei dem Trauernden, der untröstlich ist und keine vertröstenden Worte aushält. Er möchte nur einen haben, der einfach da ist, ohne etwas zu sagen, der da ist ohne Vorwurf, ohne Erklärung, ohne Erwartungsdruck, dass die Trauer sich legen muss.


Wer einfach da ist, ohne zweckgerichtete Interessen, der ist auch ein Segen für die Schöpfung. Er ist im Einklang mit der Schöpfung. Er benützt sie nicht für sich, er beutet sie nicht aus. Er ist einfach, mit der Schöpfung und in ihr. Als Teil der Schöpfung blüht er als dieser einmalige Mensch auf. Er wird zum Segen für seine Umgebung.


Abraham Heschel schreibt dem einfachen Leben noch eine andere Qualität zu, die uns zunächst fremd anmutet: Heiligkeit. „Einfach nur leben ist heilig“. Wenn wir auf das Wort und seine Bedeutung näher hinhören, verstehen wir eher, was gemeint ist. Das deutsche Wort „heilig“ kommt von „heil“, das „gesund, unversehrt, ganz, vollständig“ bedeutet. Wer einfach lebt, der ist nicht zerrissen. Er ist heil und ganz. Er lebt mit allem, was er ist. Er lebt vollständig. Das lateinische Wort für „heilig“ ist „sanctus“. Es kommt von „sancire“ abgrenzen, der Welt entziehen. Das Heilige ist das, was der Welt entzogen ist, worüber die Welt keine Macht hat. Wer einfach lebt, der ist ganz bei sich. Er ist nicht von der Welt bestimmt. Er gehört sich selbst und er gehört Gott. Die Welt hat keine Macht über ihn. Das griechische Wort „hagios“ meint etwas Ähnliches. „Hagios“ führt im Deutschen zu „Gehege“ und zu „behaglich“. Im heiligen Raum des Geheges fühle ich mich behaglich und geschützt. „Einfach nur leben ist heilig“, dieser Satz bedeutet für mich: Ich lebe ganz im Augenblick, ich lebe ganz in Gott. Das macht mich heilig. Das befreit mich von der Macht der Welt, von der Macht der Leidenschaften und Triebe, von der Macht der maßlosen Sucht nach Anerkennung und Erfolg. Dieses einfache Leben geschieht ihm Gehege, im Schutz Gottes. Dort ist es behaglich. Dort fühle ich mich daheim.


Heinrich Spaemann macht darauf aufmerksam, dass in der Bibel das Wort „heilig“ zum ersten Mal in Verbindung mit dem siebten Schöpfungstag vorkommt. Gott heiligt den siebten Tag. „An ihm ruhte er von allem Werk, das er schuf.“ (Gen 2,3) Die Heiligkeit des siebten Tages hat also in der Ruhe Gottes ihren tiefsten Grund. Ruhen meint Ausruhen von den Werken. Diese Ruhe ist heilig. In ihr bin ich frei von dem Drang, etwas leisten zu müssen. Ich kann das Dasein genießen. Ich bin einfach nur da. Das ist heilig: Wenn wir einfach nur leben, haben wir teil an der Sabbatruhe Gottes. Da sind wir frei von aller Sorge. Da sind wir im Einklang mit uns selbst, mit Gott und mit dem Augenblick. So will uns das Loslassen der Sorgen in die Sabbatruhe Gottes führen, in ein Leben im Einklang mit uns selbst, in das „einfach nur leben“, das heilig ist. Nach dieser Ruhe, dieser inneren Zufriedenheit, sucht unser Herz. Und was anderes als diese Herzensruhe meint zutiefst – Glück?


Einfach leben – wie geht das? Zitate aus den Interviews im Monatsbrief einfach leben

(Als Buch: Rudolf Walter (Hg.), Einfach leben – wie geht das?


Einfach leben hat ja etwas mit Lebenshaltung zu tun. Ich kann in einer Mönchszelle wohnen und trotzdem in intensiver Fülle, in Komplexität und Differenziertheit leben. Und ich kann einen Palast haben, mit allen Raffinessen dieser Erde ausgestattet, aber völlig am Leben vorbei leben, wenn ich nur in Äußerlichkeiten lebe und kein Mensch da ist, mit dem ich fröhlich sein kann.


Am besten kann man übrigens von den Kindern lernen, was Leben eigentlich heißt. Niemand lebt das Leben mit so viel Energie und Vitalität wie Kinder. Herkunft, Prestige – das bedeutet ihnen nichts. Im Umgang mit ihnen lernen und erfahren wir wieder die Einfachheit und Ursprünglichkeit des Denkens, Empfindens und Wollens, die uns so oft verloren gehen und nach der wir uns so sehnen.
(Dietrich Grönemeyer)


Wenn ich weiß, was oder wer der eigentliche Mittelpunkt, der Sinn, das Maß, die Liebe in meinem Leben ist, dann bedeutet „einfach leben“, mich immer wieder neu daraufhin auszurichten – und gleichzeitig die Gelassenheit, anzunehmen, dass ich mich selbst davon auch immer wieder ablenken lasse.
(Katharina Schridde)


Einfach leben heißt: Sich auf das Wesentliche für das eigene Leben besinnen und sich darauf konzentrieren. Bewusst leben. Auf bestimmte Dinge verzichten, von denen man erkennt: Die sind nicht wichtig für mein Leben.
(Alois Glück)


Wer unlösbare Schwierigkeiten damit hat, einfach zu leben, der sollte sich darum bemühen, in seinem komplizierten Leben anderen Menschen ein guter Mitmensch zu sein und sich nicht an einem unerreichbaren Ziel abmühen. Es kann ein langer Weg sein, zu einem glücklichen, einfacheren Leben zu finden. Aber es ist möglich.
(Manfred Lütz)


Einfach präsent zu sein, einem seelisch Bedürftigen vielleicht nur die Hand zu halten und sich an die Seite eines solchen Menschen zu stellen. Darum geht es.
(Daniel Hell)


Das Leben kommt nicht erst.
Es ist schon da. Ganz einfach.
(Katharina Schridde)


Man kann versuchen, sich durch die freundlichen Augen eines anderen zu sehen. Das verändert etwas in mir – zum Positiven.Es macht das Leben einfacher.
(Daniel Hell)


Einfach leben heißt: Ich darf einfach sein, das ist das Urcredo der jüdisch-christlichen Spur. „Du bist gesegnet!“ Vor allem Tun.
(Pierre Stutz)


Man sage Ja zu sich selbst – und Ja zu anderen, bis man sich als ein Bejahter erfährt. Einfach leben heißt: Sich täglich zu freuen über seine sieben Sinne und mit allen Sinnen den Sinn erleben. Nichts ist selbstverständlich und im ganz Kleinen erscheint das ganz Große. Genieße einen Bissen Brot, einen Augen-Blick, eine kleine Nachtmusik, eine auf- und abblühende Rose.
(Friedrich Schorlemmer)


Nur wer lachen u n d weinen kann, wer sich freuen kann, aber auch in der Lage ist zu trauern, dessen Seele ist lebendig.
(Dietrich Grönemeyer)


Freude bedarf der Muße, des erfüllten Augenblicks, in der Zeit und Ewigkeit zusammenfallen. Es gibt nichts, was unser Leben intensiver machen könnte, als eine wache Präsenz. Wann wollen wir denn leben, wenn nicht jetzt? Wir können die verlorene Freude wieder erlangen, indem wir liebend, mutig, aufrichtig vertrauensvoll das werden, was wir sind.
(Clown Dimitri)


Es gibt nichts, was unser Leben intensiver machen könnte, als eine wache Präsenz. Wann wollen wir denn leben, wenn nicht jetzt?
(Niklaus Brantschen)


Einfach leben heißt: einfach atmen. Im Atem kann ich zu mir selber zu kommen. Er hält meinen Leib und meine Seele zusammen. Atem ist wie ein Fluss, dem man sich anvertrauen kann. Ich lasse den Atem kommen, ich lasse ihn gehen und warte – bis er von selber wieder kommt.
(Maria Wiest)


Einfach leben heißt auch: im Einklang mit sich selbst zu leben, sich nicht zerreißen zu lassen von den verschiedenen Bedürfnissen, sondern einfach, ganz, eins mit sich zu sein.
(Anselm Grün)


Wer nicht verzichten kann, kann nicht genießen. Wer aber so auf das Verzichten fixiert ist, dass er das Genießen vergisst, der wird ungenießbar.
(Anselm Grün)


Wer auf dem Boden schläft, kann nicht aus dem Bett fallen. Wer keinen Kühlschrank hat, dem kann er nicht kaputtgehen.
(Wolfgang Schmidbauer, in Einfach leben – wie geht das?)


Einfach leben: Sich frei machen von Erwartungen anderer.
Einfach nur da sein.
(Luise Reddemann)


Wenn wir wirklich liebend sind, ist das Leben einfach, aber es ist eben nicht immer einfach, liebend zu sein.
(Luise Reddemann)


Unter Einfachheit verstehe ich Klarheit, Schlichtheit, Eindeutigkeit, Transparenz. Wir haben ja von allem viel oder auch zu viel: Viel Besitz, viel Geld (auch wenn wir nicht viel haben – im Vergleich zu anderen Menschen auf dieser Welt sind die meisten von uns sehr reich), viele Wörter, viele Möglichkeiten, viele Bilder von uns selbst, den anderen und von Gott und davon, wie das Leben zu sein hat. Und oft haben wir auch entsprechend viel Angst, irgendetwas davon zu verlieren. Wenn es uns gelänge, von alldem etwas weniger zu haben, um durchlässiger zu werden für das Leben selbst, hier und jetzt, und damit auch für den, der uns dieses Leben schenkt und uns in jedem Augenblick neu begegnen will, würden wir vermutlich etwas angstfreier und lebendiger sein.
(Katharina Schridde)


Minimalismus: maximales Glück - Zitate


“Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung? Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie? Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt? Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht.”
(Matthäus 6,26-28)


“Wer wenig besitzt, wird umso weniger besessen: Gelobt sei die kleine Armut!”
(Friedrich Nietzsche)


"Nichts wird den zufriedenstellen, der nicht mit wenigem zufrieden ist."
(Griechisches Sprichwort)


"Aller Reichtum gehört dem zufriedenen Geist. Ist nicht jenem die ganze Erde mit Leder bedeckt, dessen Füße in Schuhen stecken?"
(Hinduweisheit)


"Wenn du erkennst, dass es dir an nichts fehlt, gehört dir die ganze Welt."
(Laotse)


"Wir haben Angst, das zu bekommen, was wir uns wünschen, weil wir in dem Augenblick, in dem wir das tiefste Glück empfinden, auch mit der Möglichkeit des Verlustes konfrontiert werden."
(Daphne Rose Kingma)


„Das, was du nicht loslässt, entreisst dir die Welt am Ende doch.“
(Bruce Springsteen)


"Die Ideale, die meinen Weg erhellt und mir immer wieder Mut gemacht haben, das Leben freudig anzunehmen, waren Güte, Schönheit und Wahrheit. Die banalen Dinge des menschlichen Lebens – Besitz, Erfolg, Luxus – schienen mir immer verachtenswert zu sein."
(Albert Einstein)


"Der Mensch ist um so reicher, je mehr Dinge er liegenlassen kann."
(Henry D. Thoreau)


"Wirf weg, damit du nicht verlierst!
das ist die beste Lebensregel"
(Friedrich Hebbel)


"Man kann die seligsten Tage haben, ohne etwas anderes dazu zu gebrauchen als blauen Himmel und grüne Frühlingserde."
(Jean Paul)


"Mein Körper strömt über vor Leichtigkeit, wenn ich von Brot und Wasser lebe, und ich spucke auf die Freuden des prachtvollen Lebens, nicht ihrethalben wohlgemerkt, sondern wegen der Beschwerden, die sie mit sich bringen."
(Epikur)


"Schwarzes Brot bedeutet nicht Mangel
und grobe Kleidung nicht Nacktheit."
(Lettisches Sprichwort)


"Es gibt zwei Tragödien des Menschen: Unbefriedigte Bedürfnisse. Und befriedigte Bedürfnisse."
(Oscar Wilde)


"Der Reichtum gleicht dem Seewasser:
je mehr man davon trinkt,
desto durstiger wird man. –
Dasselbe gilt vom Ruhm."
(Arthur Schopenhauer)


"Wer ein glückliches Herz hat,
feiert unaufhörlich ein Fest."
(Sprüche 15,15)


"Es gibt keine größere Freude als die,
keinen Grund zur Sorge zu haben;
keinen größeren Reichtum
als die Zufriedenheit mit dem, was man hat."
(Anthony de Mello)


"Wir pflegen beim Anblick all dessen, was wir nicht haben, zu denken `Wie, wenn das mein wäre?´, und dadurch machen wir uns die Entbehrung fühlbar. Statt dessen sollten wir bei dem, was wir besitzen, oft denken: `wie, wenn ich dieses verlöre?´"
(Schopenhauer)


„Wer das Geld liebt wird nie genug davon haben.“
(Prediger 5,9)


„Der, der weiß, dass er genug hat, ist reich.“
(Tao Te King)


„Der Rabbi Nahum von Tschernobyl führte ein bescheidenes und strenges Leben: „Ich liebe die Armut“, sagte er gut gelaunt. „Sie ist ein Geschenk Gottes an die Menschen. Ein wahrer Schatz. Und kostet nicht viel.“
(Elie Wiesel, Chassidische Feier)



„Im Festglanz erscheint die Welt denen, die sie wunschlos betrachten.“
(Elie Wiesel, Was die Tore des Himmels öffnet)


“Arm ist nicht der, der wenig hat, sondern der, der nicht genug bekommen kann.”
(Jean Guéhenno)


“You have succeeded in life when all you really want is only what you really need.”
(Vernon Howard)


„Der Verzicht nimmt nicht. Der Verzicht gibt.“
(Martin Heidegger, Der Feldweg, 1953)


„Wer wenig braucht, der kommt nicht in die Lage, auf vieles verzichten zu müssen.“
(Plutarch)


"Wir erhoffen uns vom Besitz, dass wir ruhig leben können. Doch wer den Besitz liebt, der wird davon besessen und findet gerade nicht zur Ruhe. Glück ist etwas anderes. Man kann es nicht kaufen und besitzen. Wir finden es in den Augenblicken, in denen wir wirklich leben. Es ist immer im Augenblick erfahrbar. Festhalten kann man es nicht."
(Anselm Grün, Kleines Buch vom guten Leben)


“Wem genug zu wenig ist, dem ist nichts genug.”
(Epikur)


“Wer Dinge, die man nicht erlangen kann, begehrt, wer Dinge, an denen man sich nicht ersättigen kann, erstrebt, der kommt weit ab von der Wurzel des Lebens.”
(Lü Buwei)


“Aus Habsucht entstehen alle Verbrechen und Übeltaten.”
(Cicero)


“Dem Armen mangelt viel, dem Geizigen alles.”
(Publilius Syrus)


“Dem anwachsenden Vermögen folgt die Sorge.”
(Horaz)


“Abends ging ich hinaus in die Dunkelheit, da sah ich einen schimmernden Stern und hörte einen Frosch quaken. Die Natur schien zu sagen: Nun? Ist das nicht genug?”
(Ralph Waldo Emerson)


“Zu viele Leute geben Geld aus, das sie nicht verdient haben, um Dinge zu kaufen, die sie nicht wollen, um Leute zu beeindrucken, die sie nicht mögen.”
(Will Rogers)


„Wenn wir täten,was wir sollten, und nicht machten, was wir wollten, hätten wir auch, was wir haben sollten.“
(Martin Luther)


Sokrates ging gern zum Markt. Als seine Schüler ihn nach seinen Gründen fragten, sagte er: "Ich liebe es, dort hinzugehen und all die Dinge zu sehen, ohne die ich glücklich bin."


"Immer die kleinen Freuden aufpicken, bis das große Glück kommt. Und wenn es nicht kommt, was wahrscheinlich ist, dann hat man wenigstens die vielen kleinen Glücke gehabt."
(Theodor Fontane)


"Wir können nicht entscheiden, wie wir sterben möchten. Oder wann. Aber wir können entscheiden, wie wir jetzt leben möchten."
(Joan Baez)


"All meinen Besitz für einen Augenblick Zeit."
(Königin Elizabeth I. auf ihrem Sterbebett)


“Memento mori” (“Bedenke, dass du sterben musst”)

Aktuelle Ausgabe:
April, Nr. 4 – 2017
Neu: Faszination Klöster

Die Kraft der Stille