Kleines Lexikon der Feste und Bruche

Adventskalender: Das bedeutet heute fr viele zuerst die kleinen Schokoladentfelchen: Weihnachtsmnner, Tannenbume, Sterne aber was hat das eigentlich noch mit Weihnachten zu tun? Als der Adventskalender aufkam (in evangelischen Familien um 1850), sollte er Kindern helfen, sich der Aussage des Festes zu nhern: 24 besinnliche Motive oder kleine Geschenke, bis dann an Weihnachten das grte Geschenk kommt. Dass wirklich etwas dahintersteckte, sieht man daran, dass sich selbst die nationalsozialistischen Ideologen des Kalenders bedienten: statt christlicher Motive verwendeten sie solche einer pseudo-germanischen Mythologie und Schokoladenfllung. Diese ist heute wie je populr; ob das auch noch von der Botschaft des Kalenders gilt?

Adventskranz: Schon der Antike galt der Kranz als Sieges- und Ehrenzeichen im Christentum bezogen auf den Messias, Sieger ber den Tod. Darberhinaus deutet die Kreisform an, dass auch unser Leben trotz aller Umwege sich durch Christus zu einer runden Sache fgen wird. Die Zahl der Kerzen vier bedeutet nicht nur die Zahl der Adventssonntage bis Weihnachten. Nach alter Tradition symbolisiert sie auch Vollkommenheit. Die vier Ecken eines Quadrates zusammen mit der Kreisform des Kranzes deuten auf die Einheit der Gegenstze Leben trotz des Todes, die Quadratur des Kreises, die dennoch gelingen kann, da Christus zu uns kommt.

Aschenkreuz: Buzeichen zur Erinnerung an die Vergnglichkeit und als Mahnung zur Umkehr, meist durch Bezeichnung auf die Stirn gespendet, oder auch in Kreuzform auf den Kopf gestreut. Hervorgegangen aus der ffentlichen Bue einzelner Snder in der Sptantike, die mit einem Bugewand und mit Asche bestreut aus der Kirche vertrieben wurden. Heute ein Buritual am Aschermittwoch zu Beginn der Fasten- und Buzeit vor Ostern.
Rudolf Walter (Hrsg.):
thema kirchenjahr
Das Themenheft von einfach leben
32 Seiten
kartoniert
7,90 Euro
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Barbarazweig: Am Fest der hl. Barbara (der Heiligen, die zu den 14 Nothelfern zhlt) am 4. Dezember ist es Brauch, Kirschzweige abzuschneiden und in der Wohnung ins Wasser zu stellen. Wenn sie - vor der Sonnenwende abgeschnitten - am 24. Dezember, dem dunkelsten Tag des Jahres, dann aufblhen, sind sie ein sichtbares Zeichen des Lebens. Kirschzweige sind nach einer alten Tradition Liebeszweige. Die Barbarazweige zeigen also, dass die Liebe strker ist als der Tod, und sie symbolisieren, dass selbst erkaltete und verhrtete Beziehungen wieder aufleben knnen.

Blasiussegen: Segensritual, benannt nach dem heiligen Blasius (einem der 14 Nothelfer), der ein Kind vor dem Ersticken rettete, gegen alle bel, insbesondere des Halses. Er wird am 3. Februar, dem Gedenktag des Heiligen, mit zwei gekreuzten brennenden Kerzen gespendet.

Bu- und Bettag: Evangelischer Feiertag in der alten Tradition der Butage, die im 19. Jht. auf einen Termin im November vereinheitlicht wurden. Meist am Mittwoch vor dem letzten Sonntag des Kirchenjahrs gefeiert. 1995 in Deutschland als gesetzlicher Feiertag abgeschafft.

Christkind: Erfunden vom Begrnder der Reformation, Martin Luther, der sich gegen den katholischen Heiligenkult wandte, als Ersatz des Geschenkebringers St. Nikolaus. Soll nicht das Jesuskind darstellen.

Christknig: Letzter Sonntag im Kirchenjahr (= Sonntag vor dem ersten Advent). In einer Zeit der allgemeinen Unsicherheit (1925) als Verweis auf die berzeitliche Herrschaft Christi eingesetzt. Im Dritten Reich gegen den Fhrerkult gerichteter Bekenntnistag.

Erntedank: Kirchlich begangenes Fest ohne liturgische Verankerung, d. h. kein offizieller Bestandteil der Kirchenjahrs, mit vorchristlichem Ursprung. Man dankt Gott fr seine Gaben (Mehl, Wein, Honig, Frchte etc.), die spter hufig an Bedrftige verteilt werden.

Fasten: vgl. thema kirchenjahr. Das Themenheft von einfach leben, S. 17, 21.

Invocavit: Die Sonntage der Fastenzeit, d. h. die sechs Sonntage vor Ostern werden im evangelischen Kirchenjahr nach dem Anfangswort des jeweiligen Introitus-Textes (Erffnungsverse des Gottesdienstes) benannt: Invocavit, Reminiscere, Oculi, Laetare, Judica und Palmarum.

Jahreswechsel: 1. Januar seit der csarischen Kalenderreform (46 v. Chr.). Im christlichen Sinn das Hochfest der Gottesmutter Maria. Die zahllosen Bruche haben hierzu keinen Bezug. Johannisfeuer: Feuer in der Johannisnacht, vom 23. auf den 24. Juni. Brauch mit germanischem Ursprung. Christlich bedeutet es das Licht des Messias, als dessen Vorlufer der hl. Johannes d. Tufer sich verstand. (s. Sonnwendfeuer)

Kalender: Der heutige westlich-christliche Kalender beruht auf der Kalenderreform Papst Gregors XIII. 1582 (Gregorianischer Kalender). Tafeln fr jedes einzelne Jahr seit dem 16. Jh.

Kirchweih: Neben der oft mit einem Markt (Kirmes) verbundenen Feier der Weihe der Pfarrkirche auch die der jew. Bischofskirche und vier rmischer Kirchen.

Lichtmess: Frher wurden an diesem Tag (Darstellung Jesu im Tempel, 2. Februar) die fr das kommende Jahr bentigten Kerzen geweiht und daher Wachsmrkte, Lichtmessen abgehalten. Liturgische Farben: Farben des Priestergewandes, abhngig vom Termin im Kirchenjahr; z.B. wei fr Weihnachten und Ostern, violett fr Bu- und Adventszeit.

Liturgischer Kalender: Abfolge der Feste, Festkreise und der Sonntage im Kirchenjahr.

Lucia: Sptantike Mrtyrerin, deren Fest frher auf den Tag der Wintersonnenwende fiel. In der lngsten Nacht des Jahres wurde sie zur Licht- und Gnadenbringerin, weshalb man sie oft mit Lichterprozessionen feiert. Martinsumzug: Die heute gebruchliche Form (reitender, als St. Martin verkleideter Mann) entstand gegen Ende des 19. Jh. im Rheinland. Das Zentralelement der Mantelteilung veranschaulicht die Barmherzigkeit nach dem Vorbild Christi.

Martinsgans: Das Gnseessen ist wohl lter als das seit dem 5. Jht. gefeierte Heiligenfest am 11. 11. Die zahlreichen Legenden (schnatternde Gnse verrieten den Heiligen usw.) entstanden im Nachhinein.

Michaelis: In manchen evangelischen Gegenden werden die Sonntage nach dem Michaelstag am 29. September als Sonntage nach Michaelis gezhlt. Orthodoxes Kirchenjahr: Beginnt am 1. September, gegliedert in Abschnitte von je acht Wochen. Tod und Auferstehung Jesu fallen in der Osternacht zusammen, statt der Adventszeit die Philippsfasten. Nach dem Vorbild des altkirchlichen Kirchenjahres. Ostereier, Osterfeuer, Osterhase, Osterlamm: vgl. S. 23.

Rauhnchte: Die Nchte zwischen Heiligabend und Dreiknig. Eigentlich Rauchnchte, da man frher in diesen Nchten die Huser mit Weihrauch ausrucherte und mit Weihwasser besprengte, um Dmonen zu vertreiben.

Reformationstag: 31. Oktober, Gedenktag der historischen Ursprnge der evangelischen Konfession. Dass Luther am Tag vor Allerheiligen 1517 seine 95 Thesen zu Ablass und Bue ans Portal der Wittenberger Schlosskirche nagelte, ist sptere Legende. In der Schweiz gilt der erste Sonntag im November als Reformationstag.

Silvester: Tagesheiliger des 31. Dezember: Papst Silvester (314-335). Die zahllosen Silvesterbruche haben keinen Bezug zu ihm.

Sonnwendfeuer: Sollte nach germanischem Glauben die Nacht erhellen, wenn Wotan Walhall verlie und ber die Erde schritt. Im Christentum zum Johannisfeuer umgedeutet (s. dort). Sommersonnenwende: 21. Juni.

Sternsinger: Als Dreiknige verkleidete Kinder mit einem Stern sammeln fr die Kinder der Dritten Welt, um sie zu beschenken wie die drei Knige das Jesuskind. Das Krzel C+M+B steht fr Christus mansionem benedicat: Christus segne dieses Haus.

Thanksgiving: US-amerikanischer Brauch, der sich aus der Zeit der ersten europischen Siedler herleitet. Zusammenkommen der ganzen Familie am 4. Donnerstag im November zum Festmahl (Truthahn mit bestimmten Beilagen).

Trinitatis: Mit dem Sonntag Trinitatis (Dreieinigkeit, Dreifaltigkeit) dem Sonntag nach Pfingsten beginnt das zweite, das sog. festlose Halbjahr. Bis zum Ende des Kirchenjahres haben die Sonntage im evangelischen Kirchenjahr keine Namen, sondern werden als Sonntage nach Trinitatis gezhlt. Je nach dem Ostertermin gibt es bis zu 24 Sonntage nach Trinitatis.

Weihnachtsbaum: Seit dem 16. Jahrhundert gehrt der geschmckte Tannenbaum zu Weihnachten. Der wintergrne Baum ist ein Symbol fr die gttliche Kraft des Lebens, das sich auch durch die Klte nicht besiegen lsst. Als Lichterbaum ist er Zeichen fr Christus, der alle Angst verbannt und Wrme und Licht in unsere Welt bringt. Die Christen haben den Tannenbaum an Weihnachten immer schon auch als Paradiesbaum verstanden, voll mit den Frchten des Lebens pfeln und Nssen, die an den Baum gehngt auch durch Christbaumkugeln symbolisiert werden, die ein Bild fr das Ganze und Heile des Paradieses sind. Frher, als er noch mit Frchten geschmckt war, durfte der Christbaum am 6. Januar geplndert oder abgeerntet werden.

Weihnachtsgebck, Weihnachtsgeschenk: vgl. thema kirchenjahr. Das Themenheft von einfach leben, S. 12 f.

Weihnachtskrippe: vgl. thema kirchenjahr. Das Themenheft von einfach leben, S. 11

Weihnachtsmann/Nikolaus: Am Anfang lange vor dem Weihnachtsmann war der Nikolaus: der heilige Bischof aus Myra, um den sich tausend Geschichten ranken, von Trost, Hilfe und Geschenken. Liebe, Milde und Gte verbinden sich mit diesem Heiligen, der Menschen in Not hilft. Die Legende erzhlt: Als Nikolaus erfhrt, dass ein verarmter Nachbar seine drei Tchter in ein Bordell verkaufen will, wirft er dreimal hintereinander einen Klumpen Gold durchs Fenster, damit jede Tochter eine ausreichende Mitgift fr die Heirat hat. Nach einer anderen Legende erweckt er junge Menschen, die ermordet wurden, wieder zum Leben. Er wird so zum Patron der Kinder. Das Beschenken der Kinder im Mittelalter noch am Fest der unschuldigen Kinder (28.12.) blich wird spter auf sein Fest, den 6.12. bertragen. Erst Martin Luther versucht, die Popularitt des Heiligen zu brechen. Sein Motto: Kinderbescherung ja, Heiligenverehrung nein. Er bertrgt 1535 das Fest des Schenkens auf das Christkind, auf den 25.12. Die Kinder erhielten seitdem am Weihnachtstag die Gaben durch den heiligen Christ. Aber Bruche sind zh. Schenken ist schlielich der Himmel auf Erden. Spter wird auch bei den Katholiken das Schenken an Weihnachten blich. Aus dem Nikolaus wird allerdings spter der Weihnachtsmann. In Amerika wird er spter zum gemtlichen lteren Herrn im roten Mantel: Ikone des Weihnachtsgeschfts. Auch wenn heute weltweit der Weihnachtsmann die Nase vorne hat, hierzulande findet das Nikolausbrauchtum in seiner christlichen Prgung in vielen Familien immer noch statt. Anderswo, in Spanien etwa, sind die Heiligen Drei Knige die Geschenkebringer.
Aktuelle Ausgabe:
April, Nr. 4 2017
Neu: Faszination Klster

Die Kraft der Stille