Barbarazweig: Am Fest der hl. Barbara (der Heiligen, die zu
den 14 Nothelfern zählt) am 4. Dezember ist
es Brauch, Kirschzweige abzuschneiden
und in der Wohnung ins Wasser zu stellen.
Wenn sie - vor der Sonnenwende abgeschnitten
- am 24. Dezember, dem dunkelsten Tag
des Jahres, dann aufblühen, sind sie ein
sichtbares Zeichen des Lebens. Kirschzweige
sind nach einer alten Tradition Liebeszweige.
Die Barbarazweige zeigen also, dass die Liebe
stärker ist als der Tod, und sie symbolisieren,
dass selbst erkaltete und verhärtete Beziehungen
wieder aufleben können.
Blasiussegen: Segensritual, benannt
nach dem heiligen Blasius (einem der
14 Nothelfer), der ein Kind vor dem
Ersticken rettete, gegen alle Übel, insbesondere
des Halses. Er wird am 3.
Februar, dem Gedenktag des Heiligen,
mit zwei gekreuzten brennenden Kerzen
gespendet.
Buß- und Bettag: Evangelischer Feiertag
in der alten Tradition der Bußtage,
die im 19. Jht. auf einen Termin
im November vereinheitlicht wurden.
Meist am Mittwoch vor dem letzten
Sonntag des Kirchenjahrs gefeiert.
1995 in Deutschland als gesetzlicher
Feiertag abgeschafft.
Christkind: Erfunden vom Begründer
der Reformation, Martin Luther, der
sich gegen den katholischen Heiligenkult
wandte, als Ersatz des Geschenkebringers
St. Nikolaus. Soll nicht das
Jesuskind darstellen.
Christkönig: Letzter Sonntag im Kirchenjahr
(= Sonntag vor dem ersten
Advent). In einer Zeit der allgemeinen
Unsicherheit (1925) als Verweis
auf die überzeitliche Herrschaft Christi
eingesetzt. Im Dritten Reich gegen
den Führerkult gerichteter Bekenntnistag.
Erntedank: Kirchlich begangenes
Fest ohne liturgische Verankerung,
d. h. kein offizieller Bestandteil der
Kirchenjahrs, mit vorchristlichem
Ursprung. Man dankt Gott für seine
Gaben (Mehl, Wein, Honig, Früchte
etc.), die später häufig an Bedürftige
verteilt werden.
Fasten: vgl.
thema kirchenjahr. Das Themenheft von einfach leben, S. 17, 21.
Invocavit: Die Sonntage der Fastenzeit,
d. h. die sechs Sonntage vor
Ostern werden im evangelischen Kirchenjahr
nach dem Anfangswort des
jeweiligen Introitus-Textes (Eröffnungsverse
des Gottesdienstes) benannt:
Invocavit, Reminiscere, Oculi,
Laetare, Judica und Palmarum.
Jahreswechsel: 1. Januar seit der cäsarischen
Kalenderreform (46 v. Chr.).
Im christlichen Sinn das Hochfest der
Gottesmutter Maria. Die zahllosen
Bräuche haben hierzu keinen Bezug.
Johannisfeuer: Feuer in der Johannisnacht,
vom 23. auf den 24. Juni.
Brauch mit germanischem Ursprung.
Christlich bedeutet es das Licht des
Messias, als dessen Vorläufer der hl.
Johannes d. Täufer sich verstand. (s.
Sonnwendfeuer)
Kalender: Der heutige westlichchristliche
Kalender beruht auf der
Kalenderreform Papst Gregors XIII.
1582 (Gregorianischer Kalender). Tafeln
für jedes einzelne Jahr seit dem
16. Jh.
Kirchweih: Neben der oft mit einem
Markt (Kirmes) verbundenen Feier
der Weihe der Pfarrkirche auch die
der jew. Bischofskirche und vier römischer
Kirchen.
Lichtmess: Früher wurden an diesem
Tag (Darstellung Jesu im Tempel, 2.
Februar) die für das kommende Jahr
benötigten Kerzen geweiht und daher
Wachsmärkte, „Lichtmessen“ abgehalten.
Liturgische Farben: Farben des Priestergewandes,
abhängig vom Termin
im Kirchenjahr; z.B. weiß für Weihnachten
und Ostern, violett für Bußund
Adventszeit.
Liturgischer Kalender: Abfolge der
Feste, Festkreise und der Sonntage im
Kirchenjahr.
Lucia: Spätantike Märtyrerin, deren
Fest früher auf den Tag der Wintersonnenwende
fiel. In der längsten Nacht
des Jahres wurde sie zur Licht- und
Gnadenbringerin, weshalb man sie oft
mit Lichterprozessionen feiert.
Martinsumzug: Die heute gebräuchliche
Form (reitender, als St. Martin
verkleideter Mann) entstand gegen
Ende des 19. Jh. im Rheinland. Das
Zentralelement der Mantelteilung veranschaulicht
die Barmherzigkeit nach
dem Vorbild Christi.
Martinsgans: Das Gänseessen ist
wohl älter als das seit dem 5. Jht.
gefeierte Heiligenfest am 11. 11. Die
zahlreichen Legenden (schnatternde
Gänse verrieten den Heiligen usw.)
entstanden im Nachhinein.
Michaelis: In manchen evangelischen
Gegenden werden die Sonntage nach
dem Michaelstag am 29. September
als Sonntage nach Michaelis gezählt.
Orthodoxes Kirchenjahr: Beginnt am
1. September, gegliedert in Abschnitte
von je acht Wochen. Tod und Auferstehung
Jesu fallen in der Osternacht
zusammen, statt der Adventszeit die
„Philippsfasten“. Nach dem Vorbild
des altkirchlichen Kirchenjahres.
Ostereier, Osterfeuer, Osterhase, Osterlamm:
vgl. S. 23.
Rauhnächte: Die Nächte zwischen
Heiligabend und Dreikönig. Eigentlich
„Rauchnächte“, da man früher in
diesen Nächten die Häuser mit Weihrauch
ausräucherte und mit Weihwasser
besprengte, um Dämonen zu
vertreiben.
Reformationstag: 31. Oktober, Gedenktag
der historischen Ursprünge
der evangelischen Konfession. Dass
Luther am Tag vor Allerheiligen 1517
seine 95 Thesen zu Ablass und Buße
ans Portal der Wittenberger Schlosskirche
nagelte, ist spätere Legende. In
der Schweiz gilt der erste Sonntag im
November als Reformationstag.
Silvester: Tagesheiliger des 31. Dezember:
Papst Silvester (314-335). Die
zahllosen Silvesterbräuche haben keinen
Bezug zu ihm.
Sonnwendfeuer: Sollte nach germanischem
Glauben die Nacht erhellen,
wenn Wotan Walhall verließ und über
die Erde schritt. Im Christentum zum
Johannisfeuer umgedeutet (s. dort).
Sommersonnenwende: 21. Juni.
Sternsinger: Als Dreikönige verkleidete
Kinder mit einem Stern sammeln
für die Kinder der Dritten Welt, um
sie zu beschenken wie die drei Könige
das Jesuskind. Das Kürzel C+M+B
steht für Christus mansionem benedicat:
Christus segne dieses Haus.
Thanksgiving: US-amerikanischer
Brauch, der sich aus der Zeit der ersten
europäischen Siedler herleitet.
Zusammenkommen der ganzen Familie
am 4. Donnerstag im November
zum Festmahl (Truthahn mit bestimmten
Beilagen).
Trinitatis: Mit dem Sonntag ‚Trinitatis‘
(Dreieinigkeit, Dreifaltigkeit)
– dem Sonntag nach Pfingsten – beginnt
das zweite, das sog. ‚festlose
Halbjahr‘. Bis zum Ende des Kirchenjahres
haben die Sonntage im evangelischen
Kirchenjahr keine Namen,
sondern werden als ‚Sonntage nach
Trinitatis‘ gezählt. Je nach dem Ostertermin
gibt es bis zu 24 Sonntage
nach Trinitatis.
Weihnachtsbaum: Seit dem 16. Jahrhundert gehört der geschmückte Tannenbaum
zu Weihnachten. Der wintergrüne Baum ist ein
Symbol für die göttliche Kraft des Lebens, das sich auch
durch die Kälte nicht besiegen lässt. Als Lichterbaum ist er
Zeichen für Christus, der alle Angst verbannt und Wärme
und Licht in unsere Welt bringt. Die Christen haben den
Tannenbaum an Weihnachten immer schon auch als Paradiesbaum
verstanden, voll mit den „Früchten des Lebens”
– Äpfeln und Nüssen, die an den Baum gehängt auch durch
Christbaumkugeln symbolisiert werden, die ein Bild für das
Ganze und Heile des Paradieses sind. Früher, als er noch mit
Früchten geschmückt war, durfte der Christbaum am
6. Januar „geplündert“ oder abgeerntet werden.
Weihnachtsgebäck, Weihnachtsgeschenk: vgl.
thema kirchenjahr. Das Themenheft von einfach leben, S.
12 f.
Weihnachtskrippe: vgl.
thema kirchenjahr. Das Themenheft von einfach leben, S. 11
Weihnachtsmann/Nikolaus: Am Anfang – lange vor dem Weihnachtsmann – war der Nikolaus: der heilige
Bischof aus Myra, um den sich tausend Geschichten ranken, von Trost, Hilfe
und Geschenken. Liebe, Milde und Güte verbinden sich mit diesem Heiligen,
der Menschen in Not hilft. Die Legende erzählt: Als Nikolaus erfährt, dass ein
verarmter Nachbar seine drei Töchter in ein Bordell verkaufen will, wirft er
dreimal hintereinander einen Klumpen Gold durchs Fenster, damit jede Tochter
eine ausreichende Mitgift für die Heirat hat. Nach einer anderen Legende erweckt
er junge Menschen, die ermordet wurden, wieder zum Leben. Er wird so
zum Patron der Kinder. Das Beschenken der Kinder – im Mittelalter noch am
Fest der unschuldigen Kinder (28.12.) üblich – wird später auf sein Fest, den
6.12. übertragen. Erst Martin Luther versucht, die Popularität des Heiligen zu
brechen. Sein Motto: Kinderbescherung ja, Heiligenverehrung nein. Er überträgt
1535 das Fest des Schenkens auf das Christkind, auf den 25.12. Die Kinder
erhielten seitdem am Weihnachtstag die Gaben durch den „heiligen Christ“.
Aber Bräuche sind zäh. Schenken ist schließlich der Himmel auf Erden. Später
wird auch bei den Katholiken das Schenken an Weihnachten üblich. Aus dem
Nikolaus wird allerdings später der Weihnachtsmann. In Amerika wird er
später zum gemütlichen älteren Herrn im roten Mantel: Ikone des Weihnachtsgeschäfts.
Auch wenn heute weltweit der Weihnachtsmann die Nase vorne hat,
hierzulande findet das Nikolausbrauchtum in seiner christlichen Prägung in
vielen Familien immer noch statt. Anderswo, in Spanien etwa, sind die Heiligen
Drei Könige die Geschenkebringer.