Zeitung lesen

Für mich, wie für viele andere auch, ist das Zeitunglesen ein Ritual. Es gehört zu meinem Tagesablauf. Ich schaue normalerweise nie fern. Aber ich informiere mich, in dem ich die Zeitung lese. Man kann das allerdings auf ganz verschiedene Weise tun.


Verbunden mit den Menschen


Natürlich nehme ich, wenn ich die Zeitung zur Hand nehme, die Neuigkeiten zur Kenntnis. Aber ich vertiefe mich auch in die Hintergrundinformationen. Und ich halte immer wieder inne. Ich will nicht meine Neugier befriedigen, sondern ich denke bei der Lektüre an die Menschen, von denen ich lese. Ich bete für sie. Ich bete für die Politiker, die unter dem Druck notwendiger Entscheidungen stehen, die immer wieder unter Beschuss geraten und der Öffentlichkeit gegenüber nichts recht machen können. Ich bete für die, die Opfer von Gewalt oder Terror geworden sind. Ich bete für die Menschen, die selbst zu Tätern geworden sind, dass sie mit ihrer inneren Wahrheit in Berührung kommen und sich lösen können von dem brutalen Handeln, mit dem sie sich auch selbst schaden. Und ich bete für das Land, über das ein Beitrag kritisch berichtet, das ohne Hoffnungsperspektive zu sein scheint. So verbindet mich das Zeitungslesen mit der Welt, mit den Menschen. Ich fühle mich dabei verbunden mit den Menschen in aller Welt. Und ich versuche, meinen Beitrag der Hoffnung zu leisten, indem ich all die Probleme, von denen ich lese, Gott hinhalte. Was ich in der Zeitung gelesen habe, das nehme ich dann mit ins Chorgebet. Die Psalmen drücken dann in ihren Bildern aus, was mir die Zeitung von den Menschen erzählt hat. Und indem ich das Leben der Menschen vor Gott zur Sprache bringe, habe ich Hoffnung, dass Verwandlung in dieser Welt geschieht.

einfach leben – Ein Brief von Anselm Grün

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Durchlesen wird zum Durchbeten


Ich kenne natürlich auch die andere Weise des Zeitungslesens: dass ich nur meine Neugier befriedige und nur schnell das Neueste wissen möchte. Doch wenn ich mich dabei ertappe, dann spüre ich, dass mir diese Art zu lesen, nicht gut tut. Dann kehre ich zurück zu meinem Durchbeten der Zeitung. Dann wird die Zeitungslektüre für mich zu einer spirituellen Erfahrung, zu einem Ort, an dem ich die Verantwortung für diese Welt spüre und an dem ich zugleich meine Ohnmacht spüre, alle Probleme dieser Welt zu lösen. Aber ich reagiere nicht resigniert, sondern positiv: indem ich alles, was mir an Not begegnet, Gott hinhalte und darauf vertraue, dass Sein Segen Wandlung bewirken kann in dieser Welt.



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Dieser Artikel ist entnommen aus einfach leben Nr. 7 – 2017:
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Die Kraft der Stille