Schlafen und Liegen

Den Tag gut beginnen: Nach dem Aufstehen und vor dem Gang zur Arbeit können wir uns bewusst für einen guten Anfang einstimmen. Wer bewusst seine Morgentoilette verrichtet, seinen Körper achtsam wahrnimmt und die reinigende Kraft des Wassers auf sich wirken lässt, der kommt sich selbst und Gott ein Stück näher.


Dankbar und zustimmend


Jeder macht morgens seine Morgentoilette, putzt sich die Zähne, wäscht sich oder geht unter die Dusche. Das alles kann zur leeren Routine werden. Aber wenn wir es achtsam vollziehen, steckt darin viel mehr. Wenn ich achtsam meine Zähne putze, gehe ich liebevoll mit meinem Mund um. Ich bin dankbar, dass ich gesunde Zähne habe, dass ich beißen kann, essen und trinken, dass ich mit dem Mund wunderbaren Geschmack wahrnehmen kann. Und ich sehe beim Zähneputzen in den Spiegel, nehme mich wahr, wie ich bin: Ich sage Ja zu mir, schon am Morgen.

einfach leben – Ein Brief von Anselm Grün

Lassen Sie sich von Anselm Grün in Ihrem Alltag begleiten. Gönnen Sie sich regelmäßig diese ganz persönliche „Auszeit“: um Abstand zu gewinnen, um Inspiration zu erfahren, um Lebensthemen auf der Spur zu bleiben, die Ihnen persönlich wichtig sind.


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Rein und frei


Wenn ich mich unter die Dusche stelle, genieße ich das warme Wasser, das an mir herunterläuft. Und ich rieche den guten Duft des Duschgels. Ich reibe liebevoll meinen Leib mit dem Duschgel ein und bin dankbar, dass ich heute gesund aufgestanden bin. Ich gehe gut mit meinem Leib um, freue mich an ihm. Ich pflege ihn, ganz im Sinn der hl. Hildegard, die einmal gesagt hat, wir sollten so mit unserem Leib umgehen, dass unsere Seele gerne darin leben möchte. Und dann nehme ich tiefer wahr, was Reinigen bedeutet. Ich reinige nicht nur meinen Körper. Ich lasse auch alle trüben Gedanken abfließen. Wenn im Traum Bilder aufgetaucht sind, die mich erschrecken, kann ich sie anschauen. Oder wenn ich sie nicht verstehe, kann ich sie mit dem Wasser herunterspülen. Wenn ich das Reinigen so verstehe, erahne ich auch, was es heißt: ein reines Herz zu haben, ein Herz, das nicht getrübt ist von Neid und Missgunst, von Ärger und Rachegefühlen. Der Psalmist sieht im Waschen ein Reinwaschen von Schuld: „Wasch meine Schuld von mir ab, und mach mich rein von meiner Sünde! (...) Wasche mich, dann werde ich weißer als Schnee.“ (Ps 51,4.9) Ich kann mich nicht selbst reinwaschen von Schuld. Aber ich kann das Duschen gleichsam wie ein Tun Gottes an mir erleben: Gott selbst ist es, der mich rein wäscht von aller Schuld. Ich muss nicht mit einem schlechten Gewissen in den Tag gehen. Gott hat mich von aller Schuld und von allen Selbstvorwürfen und Schuldgefühlen befreit.


Quelle der Energie


Das Duschen ist aber nicht nur eine Reinigung von Negativem. Es ist auch die positive Erfahrung: von Frische, von neuer Energie. Wenn ich von der Dusche komme, fühle ich mich erfrischt. Unter der Dusche kann ich nicht grübeln. Da werden auch meine Gedanken locker. Ich lasse mich vom fließenden Wasser entspannen. Und ich habe das Gefühl, dass das Wasser, das an mir herunterläuft, mich in Berührung bringt mit der inneren Quelle meiner Seele. Aus dieser Quelle möchte ich heute schöpfen, wenn ich in die Arbeit gehe. Und ich darf hoffen, dass die Arbeit mich dann nicht erschöpfen wird.


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Dieser Artikel ist entnommen aus einfach leben Nr. 1 – 2017:
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Aktuelle Ausgabe:
März, Nr. 3 – 2017
Neu: Faszination Klöster

Elie Wiesel (Autor), Rudolf Walter (Herausgeber)